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Montag, 19. März 2012

Gottfried Benn. Zwischen Boheme und Bürgerlichkeit!





G. B. ca. 1951, gezeichnet v. T. Falberg
Gottfried Benn - Arzt und Dichter 

Else Lasker-Schüler über die Faszination, die von Ihrem wesentlich jüngeren Geliebten Gottfried Benn ausgeht:
"Er steigt hinunter ins Gewölbe seines Krankenhauses und schneidet die Toten auf. Ein Nimmersatt, sich zu bereichern am Geheimnis. Er sagt, "tot ist tot". Dennoch fromm im Nichtglauben, liebt er die Häuser der Gebete, träumende Altäre, Augen, die von fern kommen. Er ist ein evangelischer Heide, ein Christ mit dem Götzenhaupt, mit der Habichtsnase und dem Leopardenherzen".

Nicht viel länger als ein Jahr befinden sich der 26jährige Benn und die 43jährige Lasker-Schüler in einer Liaison. Sie nimmt einen prägenden Einfluss auf ihn. Die gegenseitige Bewunderung als Dichter hält bis zu ihrem Tod an. Doch 1913 befreit sich Benn aus diesem Bann.






Sie schreibt:"ich bin Dein Wegrand. / Die dich streift, stürzt ab."

Er entgegenet: "Keiner wird mein Wegrand sein. / Laß Deine Blumen nur verblühen. / Mein Weg flutet und geht allein."

In Benn erwacht der Bürger, nicht zuletzt durch seinen Blick auf diese Frau, die in ihrer radikalen Unbürgerlichkeit als "ziellose Hand aus Spiel und Blut" erscheint. Benn will seine Existenz niemals von dem Verkauf seiner Dichtung abhängig machen.



Nach dem Bruch mit Else Lasker-Schüler also der rasche Versuch, bürgerlich zu werden, durch seine wenig inspirierende Ehe mit Edith Osterloh. Er verfolgt weiter seine Laufbahn als Arzt. Diese Spaltung in bürgerliche und künstlerische Existenz ist noch heute durch zwei Gedenktafeln in Berlin sichtbar.

Gedenktafel an Arztpraxis und Künstler-Atelier am Mehringdamm
 Am Mehringdamm richtete sich Benn im Haus seiner Arztpraxis auch in einem Künstler-Atelier ein: Ort seiner Konzentration und Kontemplation, aber auch, um die Liebschaften (neben dem Eheleben) diskret managen zu können.
Im Bayerischen Viertel befand sich die Wohnung als Eheman und Familienvater.

Gedenktafel an die Wohnung im Bayrischen Viertel













Eines von Paganini´s Lieblingsgedichten, irgendwie passend:

Aber Du -?
Flüchtiger, du musst die Augen schließen,
denn was eindringt, ist kein Großes Los,
abends im Lokal ist kein Genießen,
selbst an diesem Ort zerfällst du bloß.

Plötzlich sitzt ein Toter an der Theke,
Rechtsanwalt, mit rotem Nierenschwund,
schon zwei Jahre tot, mit schöner Witwe,
und nun trinkt er lebhaft und gesund.

Auch die Blume hat schon oft gestanden,
die jetzt auf dem Flügel in der Bar,
schon vor fünfzig Jahren, stets vorhanden
Gott weiß wann, wo immer Sommer war.

Alles setzt sich fort, dreht von der alten
einer neuen Position sich zu,
alles bleibt in seinem Grundverhalten -
aber du -?
(aus: Gedichte 1949 – 1955)


Kommentare:

  1. Brot und Butter vom Einkaufszettel streichen, durch Benn und Kim Ki-duk ersetzen. Das kann ja noch heiter werden!

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    1. ...ja, so siehts aus, da sehen Sie, was Sie angerichtet haben!
      Aber Paganini schnurrt und fühlt sich durch Ihre Anwesenheit geehrt!

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