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Freitag, 11. Mai 2012

Der wunderbare Buchanfang! III. Teil:

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)

Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet
sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"

Sehr schön und immer aktuell, der erste Absatz von Leonid Andrejew, "Die sieben Gehenkten":



I. UM EIN UHR MITTAGS; EUER EXZELLENZ

Da der Minister ein sehr beleibter Mann war und zum Gehirnschlag neigte, unterrichtete man ihn, um eine gefährliche Aufregung zu vermeiden, mit aller Schonung davon, daß auf ihn ein sehr ernst zu nehmendes Attentat vorbereitet werde. Als man sah, daß der Minister die Nachricht ruhig und sogar mit einem Lächeln aufnahm, teilte man ihm auch Einzelheiten mit:
Das Attentat sollte am nächsten Tag verübt werden, wenn er zum Vortrag fuhr; einige Terrosisten, die durch einen Lockspitzel bereits verraten waren und jetzt unausgesetzt von Geheimpolizisten beobachtet wurden, wollten sich mit Bomben und Revolvern um ein Uhr mittags an der Auffahrt versammeln und warten, bis er heraustrat. Hier würde man sie festnehmen.
"Warten Sie mal", wunderte sich der Minister, "woher wissen die denn, dass ich um ein Uhr mittags zum Vortrag fahren werde, wenn ich selbst das erst vorgestern erfahren habe?"
Der Chef der Schutzwache machte eine unbestimmte Handbewegung. "Genau um ein Uhr mittags, Euer Exzellenz."



Cover@RowohltVerlag



Leonid Andrejew (1871 bis 1919) reagierte auf die sozialen und politischen Umbrüche seiner Zeit und schrieb provozierend über Krieg, Verrat, Tod. Sein aufklärerisches Pathos und die grelle Metaphorik ließen ihn den Expressionismus vorwegnehmen. (Klappentext Suhrkamp)


Paganini, der Kater, in der Redaktionskonferenz:
"Terroristen, immer kommt Ihr mit den Terroristen...! Die Paparazzi, das sind doch die Flöhe in meinem Pelz...!

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