Paganini´s...

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Samstag, 16. Juni 2012

Wo Sterben nicht mehr weh tut:

Hedda Gabler in der Schaubühne Berlin!



Katharina Schüttler spielt das Böse in Weibsgestalt! Oder?

"Ich möchte ein einziges Mal in meinem Leben die Herrschaft haben über ein Menschenschicksal“!

Was ist das für eine Frau, die solch Begehren in sich spürt?

Wir, die Paganini´s-Redaktion wissen es nicht!
Nicht einmal nach circa zweieinhalb Stunden Ostermeier-Inszenierung.
Und, um es vorweg zu nehmen, die ist gut gewesen.
Gut, im Sinne von: Gutes Theater, gute Schauspieler, gutes Bühnenbild (Ostermeiers berühmte Dreh-Bühne), gute Regie!
Ibsen´s Text kommt leicht bis stark modernisiert daher, aber alles o.k.!

Katharina Schüttler ist bereits für ihre Hedda mit Preisen überschüttet worden, zu Recht!
Eine Paris Hilton zu spielen verdient so Einiges...!

Moderne Zeiten sind schwer. Auch für das Theater.
Und auch für enthusiastische Theatergänger und Schaubühnen-Aholicer!

Nix mehr Mimesis, nix Katharsis, nix Mitgefühl bei Schuss und Kuss und Tod und Teufel!

Wo Gott tot ist, gibts auch keine Teufel in Weibsgestalt und wenn doch, so interessiert es Keinen mehr!

Die dröhnende Lebens-Langeweile der Vier auf der Bühne wird zur Herausforderung für Inszenierung und Zuschauer.
Beim Knall der Pistole wird gelacht. Edda ist tot.
Die Vorstellung zu Ende. Niemand hat gelitten. Keinem tut´s weh!

Ibsens Psychodrama ist vollständig ent-dramatisiert.
Nein, nicht nur Gott ist hier tot.  Der Mensch ist es auch.
Und das von Anbeginn.

Ibsen 1890: Es sind in diesem Stück eigentlich nicht sogenannte Probleme, die ich habe behandeln wollen. Die Hauptsache war mir, auf der Grundlage gewisser gültiger Gesellschaftsverhältnisse und Anschauungen Menschen zu schildern, Menschenstimmungen und Menschenschicksale.

Schicksale sind bei Thomas Ostermeier nicht mehr sichtbar, ebenso nicht Determination, nicht Freiheit, nicht Schuld und nicht Sühne. Es gibt nur noch "Hülsen" und "Posen" und "Leere".
Unsere moderne Menschen-Welt, wie hier gezeigt, ist ohne Tiefe, ohne Bruch, ohne Sinn und ohne Weh!
Glaub nur noch, was Du siehst! Dahinter ist nichts verborgen!
Schade, nicht einmal diese Theater-Erkenntnis macht Schmerzen!


Bei der Uraufführung 1891 tobte die Presse:
Alles in allem kann Hedda Gabler kaum etwas anderes als eine grässliche Ausgeburt der Phantasie genannt werden, ein vom Dichter selbst hervorgebrachtes Ungeheuer in Frauengestalt ohne entsprechendes Vorbild in der realen Welt.

Die Hedda Gabler der Schaubühne erscheint so real, dass deren todbringende Langeweile sich als Wiedererkennungseffekt auch dem Zuschauer zeigt:
Ach, Die schon wieder!!!


Nach der Vorstellung:
Der Mensch lebt! Gott auch!
Lars Eidinger, Ehemann der Gabler in Pantoffeln, einige Minuten zuvor noch,, balanciert eine Bierflasche zwischen zwei Fingern durchs Theater-Cafe, hinaus auf den Vorplatz, begrüßt Freunde: In seinen Augen das Leuchten des Schauspielers nach dem Spiel!
Alles gut!


Und hier noch den Trailer als Bonus!



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