Paganini´s...

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Mittwoch, 8. August 2012

Perspektiven. Literatur!

In loser Folge setzt sich Paganini´s nun mit einem neuen Themenkreis auseinander:

"Literatur aus differenten Perspektiven betrachtet"!

Mal seh´n, was dabei rauskommt!

Heute: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar!" (Max Frisch, Montauk)

Ist sie das?
Ist die Wahrheit in der Literatur zumutbar?
Und: Was ist Wahrheit in der Literatur?
Und: Für WEN ist sie zumutbar?
Und: Für WEN erscheint sie dennoch NICHT zumutbar?

Bleiben wir bei Max Frisch. Er schreibt mit seinem "Montauk" etwas auf, das er Erzählung nennt.
Gleichzeitig bekennt er aber: "Ich möchte erzählen können, ohne irgendetwas dabei zu erfinden."
"Montauk" ist also ein Unternehmen aus der Gattung des Fiktiven, welches das real Erlebte zum Inhalt nehmen will.

Der Inhalt:
 Max Frisch schildert sein Wochenende auf Montauk mit Lynn, einer dreißig Jahre jüngeren Amerikanerin. Er hat sie auf einer Lesereise kennengelernt. Er, der alternde, berühmte und wohlhabende deutsche Schriftsteller, nimmt diese Episode zum Anlass, vergangene Erfahrungen, Gefühle und Liebesgeschichten assoziativ Revue passieren zu lassen.
Seine beiden Ehefrauen finden ausführlich Erwähnung, ebenso seine Liebe zu Ingeborg Bachmann.

Indiskretion über Indiskretion ließe sich da erhoffen, wäre die Wahrheit eines Schriftstellers nicht die besondere Wahrheit der Wahrnehmung eines Schriftstellers!

Der Inhalt:
Die Beschreibung von Gefühlen.
Aber: "...der Schriftsteller scheut sich vor Gefühlen, die sich zur Veröffentlichung nicht eignen; er wartet dann auf seine Ironie: seine Wahrnehmungen unterwirft er der Frage, ob sie beschreibenswert wären; und er erlebt ungern, was er keinesfalls in Worte bringen kann. Diese Berufskrankheit des Schriftstellers macht manchen zum Trinker!"

Wirklichkeit ist das Eine, "der Rest ist Kunst, Kunst der Diskretion sich selbst gegenüber"!

"Ich habe nicht mit Dir gelebt als literarisches Material, ich verbiete es, 
dass Du über mich schreibst"!

So zitiert Max Frisch seine zweite Frau und schreibt über sie.
Und über sich selbst.
Seine Frau hat ihn lange vor "Montauk", dieser Erzählung, in der nichts Erfundenes stehen soll, mit dieser Anklage konfrontiert.
Damals hat er Romane geschrieben und seine Bezugspersonen (im oberflächlich betrachtet) rein Fiktiven verstecken können.
Sie  erkennen sich dennoch, in der einen und der anderen Facette einer Protagonistin.

Seine Tochter schreibt irgendwann ein eigenes Buch, um das Trauma "schreibender Vater" zu verarbeiten, berichtet von dem Schrecken und der Stigmatisierung, das durch die niedergeschriebene Wahrnehmung des Vaters (seiner inneren und äußeren Welt sowie seiner Haltung zur umgebenden Welt) hervorgerufen wird.

Und Max Frisch amtwortet auf eben solche Vorwürfe mit "Montauk".
"Sie wird gebraucht, unsere Schuld, sie rechtfertigt viel im Leben anderer".
So Frisch. In einem Kapitel über die Tochter.

"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar!"
Ist sie das?
"...sondern weil man, um sich überhaupt zu erkennen, ein imaginäres Publikum braucht, veröffentliche ich.
Im Grunde schreibe ich aber für mich selbst...!"

Die Wahrheit ist sich selber zumutbar!
Und damit auch jedem Anderen...!?








Paganini, der Kater, hat Marcel Reich-Ranicki in die Redaktionskonferenz geladen
und überlässt diesem den Abschluss-Kommentar:
Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen!

...zur vorangegangenen Folge v. Perspektiven:Literatur



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