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Freitag, 14. Oktober 2016

Protokoll-aus-Schnitt!

"Menschenlichter im Tollhaus": One eyed Carlotta. Protokoll III.




Erwin Olaf by TiJsB @flickr



(Engel:)
Diese Frau, die mit einem Schlag des wilden, gefangenen Herzens ihre Schönheit zerstören wollte, bin nun ich: One-eyed Carlotta, 45 Jahre alt, geboren als Charlotte.
"Früher bin ich schön gewesen“, denke ich oft, „heute bin ich schön und interessant!“
An meine Schönheit habe ich mich mittlerweile gewöhnt.
Ich habe für diesen Umstand  mit meinem rechten Auge bezahlt.
Ich bereue das nicht. Das bin ich!
Nur manchmal, wenn das linke Auge seine Überanstrengung in Tränen baden muss, tut mir das linke Auge leid und ich frage mich, ob es nicht auch ohne dieses ganze Theater für mich hätte weitergehen können.
Aber die Frage ist sinnlos, ich vergeude mittlerweile nur ungern meine Zeit.
Früher ist das anders gewesen.
Es ist mir nicht gelungen, meine Schönheit zu zerstören und es ist mir nicht gelungen, die Gesetze der Schönheit außer Kraft zu setzen und nun lebe ich mit Beidem.
Ich lebe gut, zusätzlich umgeben von den Attributen der Anerkennung durch Lob und Geld.
Ich bin Reisejournalistin, seit geraumer Zeit reißen sich die feinen Blätter, eines intellektuellen Leserkreises, um meine Reportagen.
Die Talk-Shows lieben mich, in meiner zerrissenen Anmut, nicht zuletzt wegen der schwarzen Augenklappe aus zartem Wildleder, die mir den Touch Exotic ins Gesicht drückt wie ein Gütesiegel für „spannender Gast“.
Mein Hang zur Zelebration meiner Ungewöhnlichkeit, um die ich sehr bewusst weiß, fühlt sich durch meinen momentanen Lebensstil geschmeichelt und gekitzelt.
Erfolg macht  Spaß!
Es ist erstaunlich, wie die Winde des Lebens mich tragen und mit welcher Fraglosigkeit ich mich tragen lasse.
Meinem Leben bin ich damals nicht entkommen und  inzwischen habe ich keine Skrupel mehr, meinem Leben auch diesmal standzuhalten, selbst wenn es sich schwerelos anfühlt, wie der Flügelschlag eines Vogels.
Ich bin schön und die Schönheit wird nicht gefragt, ob sie schön sein will.
Die Schönheit liegt im Auge ihres Betrachters und der Betrachter macht damit, was er will.
Nicht einmal mein Alter will ihr etwas anhaben.
Der Mann, der gerade eben vor einer Stunde mein Bett verlassen hat, ist noch immer trunken von dem Erlebnis meiner Einäugigkeit, die ihn zum Hohepriester einer allumfassenden Schönheitsdefinition werden ließ.
„Zeig mir Dein Auge“,  hat er mit zärtlichem Blick gemurmelt, während er sein Gesicht über meinen Kopf gebeugt hat, um mit den Fingern an den Riemchen der Augenklappe zu ziehen.
Diese Situation habe ich seither oft genug erlebt und sie macht mir  keine Angst mehr.
Ich weiß, dass der Mann, mit einer Mischung aus schaurigschönem Schaudern und dem Wunsch nach Empathie, zu one-eyed Carlotta herabblicken wird.
Wenn er ein Romantiker sein möchte, wird er eine Träne, langsam über seine Wange hinab, in meine Augengruft rollen lassen .
Und wenn er die charmant-eloquente Spezies der Herzensbrecher verkörpern will,  wird er mit Kreide in der Männerstimme, „so wunderschön also bist Du", in mein Ohr lächeln.
Jeder Mann zeigt auf seine Art, dass er der wunderbare Mann ist, der mich erst mit dieser klaffenden Wunde als die Schönste aller Schönen erkennt.
Manchmal erlaube ich einem Mann, sein Selbstbild an mir zu laben.
Manchmal aber entgleite ich seinem Wunsch, hinaus aus dem Bett, schlüpfe in einen schwarzen Slip und in hochhackige Pumps hinein und schüttle mein langes, schweres, schwarzes Haar über meinen weißen Schultern und Brüsten zu Schlangen auf.
Ich weide mich an diesem Spiel, der Freude Aller, an sich selbst.
Ich freue mich über die Freude der Männer, die in meiner plakativen Wunde  stochern, um sich selbst beschenkt zu fühlen, in ihrem Drang, mich zu beschenken.
Ich singe ein Hoch auf das Plakative der Verwundbarkeit, so wie es durch mich gefunden worden...!

Auszug aus "Menschenlichter im Tollhaus": One-eyed Carlotta. Protokoll III.

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