Paganini´s...

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Sonntag, 19. Mai 2013

Die Schlange beißt sich in den Schwanz...

... und fragt sich: Was heißt Regieführen?





Herbert Fritsch, inzwischen Regisseur und mit Murmel Murmel beim TT 2013 vertreten, hat im bereits erwähnten "DAS FEST!" eine Anekdote von sich gegeben, die irgendwie zu dieser Frage zu führen scheint.
Als junger Schauspieler stand er auf der Bühne, sein Text war ungefähr dieser:

"Was tu ich hier und wer bin ich überhaupt?"

Es folgte ein dramatischer Blick ins Leere, also ins Publikum hinein 
und Jemand aus dem Publikum heraus, hat ihm dann ungefähr Folgendes zugerufen:

" Du bist das Opfer des Regisseurs!"

Ist dieser Mann, seit dem Geschehnis, das zu dieser Anekdote gehört,  als Regisseur tätig?

Das haben wir, die Paganini´s Redaktion, uns  daraufhin gefragt und sind zur Diskussion gekommen,
zu der Herbert Fritsch nicht geladen war.

Dafür aber Reinhild Hoffmann, Stephan Kimmig, Claus Peymann und Roger Vontobel.
Stephan Kimmig vom Deutschen Theater hatte sich krank entschuldigt, die Anderen haben uns das Ganze dennoch wunderbar erklärt:

Regieführen heißt Kunst machen, sich selbst finden, politisch sein, sich dafür bezahlen lassen und Spaß haben! 
Und es gibt noch ein Ensemble obendrauf, das macht, was man will oder ganz demokratisch mitregiert!
Je nach Gusto des Regisseurs!

Was hier kritisch klingt, sozusagen nach Paganini´s-Redaktions-Diskussion (aufgeklärt!),
ist nichts weiter als die Tünche echter Anerkennung.
 Denn die anwesenden Regisseure sind gute (teils legendäre) Regisseure. 
Sie machen, Jeder auf seine Art, Theater-KUNST!
Theater ist schön, gerade (oder: auch ) dann, wenn´s abseits der Inszenierung betrachtet wird!

"Der Blick des Kritikers landet vor der Schlafzimmertür, der Sex passiert woanders!"

Claus Peymann stichelt diffizil, wie oftmals, gegen die Kritiker-Jury des TT, welche die Erotik theaterschaffender Kräfte nicht wahrnimmt und kennt. 

Die Schlange beißt sich in den Schwanz. Und dennoch gibt es Anfang und Ende. 
Oder eben Kopf und Schwanz. Oder eben Alt und Jung.

Peymann, der Alt68er, der Kultivierte, der was draus gemacht hat, sitzt lässig in Seidenpulli (designer-schwarz) und Leinenhose (designer-grau) im Sesselchen und 
vis a vis der junge, gar nicht wilde Vontobel, der angepasste, unpolitische und 
dennoch sympathisch-sensible Neu-Zeitler.

"Die Veränderung der Gesellschaft führt eben auch zur Veränderung ihrer Regisseure!"
Und:
"Wir haben das Theater, das wir verdienen!" sagt der Alte.

"Die Haut muß dicker werden, um den Lebenskampf zu ertragen!" sagt der Junge.

"In der früheren Zeit" (wortwörtlich!), war Alles leichter! 
Das sagen Beide unisono!

Denn: "Wann ist man Heute so hingerissen, dass man sich dazu äußert?"

Oder so schockiert. 

Denn: "Merkel und Obama sind richtig nett, gehen ins Theater und dennoch ist irgendetwas faul!"

Das Subversive im Theater hat´s Heute schwer!

Dass Regisseur-Sein aber auch bedeutet, Mittler zwischen Literatur und Schauspielern und zwischen Literatur und Publikum zu sein, eint schließlich Alle zum ewig gültigen Schluß :
Regieführen heißt suchen, finden, vermitteln und weitergeben!

Zusammengefasst: 
Ein einziger, wunderbarer Ego-Trip führt per Team-Work direkt aus dem System ins System hinein!






Aus dem Programm-Heft:
...Regieführen heißt:
… rauskriegen zu wollen, wer man ist, und Frieden damit zu machen, dass man andere dazu benutzt.“
ANDREAS KRIEGENBURG
„… Texte auf dem Theater möglich zu machen.“
FRANZ XAVER KROETZ
Jeder Regisseur hat eine eigene Vorstellung davon, was das bedeutet: ein Drama, ein Stück, Flächen, Szenen, Collagen, sich selbst zu „inszenieren“; aus der Idee, dem Innern eines einzelnen mithilfe fremder Köpfe, Herzen, Körper im besten Fall etwas entstehen zu lassen, das über die Bühne hinweg zur gleichen Zeit Hunderte von Menschen entzündet. Was verbindet oder unterscheidet die Visionen und Arbeitweisen verschiedener Regiegenerationen? Welche ästhetischen Kämpfe fechten Regieväter und -mütter mit ihren Söhnen oder Töchtern aus? Was eint eine bestimmte Altersklasse von Theatermachern – und wofür will und kann sie stehen? Ein generationsübergreifendes Gespräch über das Bemerkenswerte am Inszenieren.

Wunderbare Moderatorin war übrigens Petra Kohse!






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