Paganini´s...

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Donnerstag, 6. November 2014

Kapitel No. 14

VI. Episode in einer (langen) Szene!


gustav klimt: Beethoven Frieze, detail





14

Die Zeit fliegt. Manchmal.
Denn Heute ist Samstag.
Dieser Samstag, vor eineinhalb Jahren, abzüglich von fünf Tagen, an dem Lars und Lars das Elektro-Nick bezwingen wollen. Dieser Samstag, der den Durchbruch bringen soll. Den Durchbruch zweier Künstler. Den Durchbruch von Lars und Lars. In diesem Moment, also Jetzt, steht Lars Dietrich vor einem großen Spiegel im Flur, von Luises Wohnung in Neukölln, und bereitet sich vor. Luise steht hinter ihrem Mann und zupft den Kragen des grünen Hemdes unter dem schwarzen Frack zurecht. Schön! Sagt sie. Die Luise. Sehr schön! Und strahlende Augen treffen aufeinander im Spiegelbild. Die nussbraunen Augen von Lars Dietrich treffen auf die grünen Augen von der Luise. Und umgekehrt. Die grünen Augen von Luise treffen auf die nussbraunen Augen von Lars Dietrich. Und dieser versinkt in schwarzen Pupillen. Luises Pupillen haben eine verschlingende Wirkung. Chronisch erweiterte Pupillen sind das. Eben Scanner-Blick. Schlange Shir Khan. Und in diesen Pupillen spiegelt sich Lars Dietrich und spiegelt sich auch Luise, die sich von Hinten an ihn schmiegt. Du wirst großartig sein! Heißt das. Und ich werde bei dir sein! Heißt das auch. In jedem Moment. Den du alleine auf der Bühne stehst. Und ich in der ersten Reihe sitze. Und obwohl ich in der ersten Reihe sitzen werde. Und du über meinem Kopf, hoch oben, auf der Bühne stehen wirst. Werde ich so nah sein, wie jetzt, in diesem Moment. Mein Du. Mein Alles. Mein Mann. Luise, ich muss los! Test mit der Ton-Technik! Du kommst nach! Nicht wahr? Du kommst nach. Was für eine Frage! Natürlich kommst du nach! Ach, ich werde nun doch ein wenig aufgeregt. Dumm aber auch. So dumm! Und noch einmal knöpft Lars Dietrich den Frack auf und dann noch einmal sehr umständlich wieder zu. Knopf für Knopf. Zuerst auf. Und dann wieder zu. Ganz ruhig einatmen und ganz tief ausatmen und wieder ein…! Flüstert Luise. Und: Toi, toi, toi! Und dann ist er verschwunden, der Lars Dietrich. Zur Tür hinaus. Ach, so nervös ist er. Der Lars Dietrich. Und sinnend steht Luise ganz alleine vor dem großen Spiegel im Flur. Was soll sie anziehen.  An diesem Abend. Für den großen Abend. Einem Abend, von dem Luise noch nicht einmal restlos überzeugt ist. Wie sie sich selbst heimlich eingesteht. Nicht restlos überzeugt zu sein, heißt Realistin zu sein! Sagt sich die Luise. Und seufzt. Nicht dass sie an der künstlerischen Intensität von Lars Dietrich zweifeln würde. 0h Nein! Aber an der künstlerischen Genialität von Lars. Da zweifelt sie schon. Die Luise. Wie soll das gehen, mit dem Lars und seinem albernen Raver-Step? Wie soll das gehen, mit dem Lars Dietrich, wenn er neben solch einer albernen Figur als der Lars von Lars und Lars für Furor sorgen soll? Was wird kommen? Luise. Wo führt uns dieser Abend hin? Luise. Das fragt sich die Luise. Und zückt einen blutroten Lippenstift und malt ein Herz auf das Spiegelglas. Und dann malt sie sich die Lippen an. Und danach werden die Augen geschattet. Tiefschwarze Augenlider. Und ein Meter Tusche auf die Wimpern. Und eine Wolke Parfum in die rote Wolke aus Haar. Gut! Das tut gut! Maskerade! Das muss Heute sein! Und Luise ist zufrieden. Die Frage der Kleidung ist rasch gelöst. Luise tauscht eine schwarze Hose gegen eine schwarze Hose. Ein rotes Shirt gegen eine türkisfarbene Piraten-Bluse und ein schwarzes Jäckchen gegen ein schwarzes Jäckchen. Wie ein Wams, so ein Jäckchen. Und dazu kommen die hochhackigen Schnürschuhe. In schwarz. So sieht sie nun aus. Die Luise. Und stakst in Richtung S-Bahn. Und fährt in Richtung Prenzlauer Berg. Und stakst wieder weiter. Immer die Schönhauser entlang. Und dann muss sie einmal rechts und einmal links und dann noch einmal links herum. Und da steht sie auch schon vor dem Elektro-Nick. Heute 21 Uhr: Lars und Lars in „Springende Herzen“! Steht auf einem Plakat in Din A4, das zerfleddert an eine noch geschlossene Tür gepinnt worden ist. Die Tür hat Charakter. Diverse Farblack-Töne blättern um die Wette, wie verwelkende Blätter. Aber immerhin! Denkt Luise. Immerhin Prenzlauer Berg! Hat was von Kult! Das Elektro-Nick! So denkt die Luise. Sie öffnet mit hüpfendem Herzen die Tür. Ein schwerer Vorhang ruiniert die Frisur, der Schlitz im dicken Filz ist kaum zu finden und als Luise sich schließlich hindurchzwängen kann, steht sie desorientiert in einem engen, dunklen Vorraum. Im Schummer erkennt sie, hinter einem Tresen aus Holz, einen dicken Menschen, der vor einem halb geleerten Bierglas lümmelt. Es ist noch kein Einlass! brummt der dicke Mensch. Luise tut bewusst sehr selbstbewusst. Ich gehöre dazu! Sagt sie. Wozu gehörst du? Die Gegenfrage des dicken Menschen ist reine Provokation. So vermutet Luise. Und sie blickt aufmerksam in ein schwammiges Gesicht hinein. Lars und Lars! Sagt sie. Aha! Brummt der dicke Mensch. Und Du heißt wohl auch Lars? Ja? Und ein schwammiges Gesicht dreht sich von Luisens bleichem Antlitz fort. Schauen Sie doch bitte in der Gästeliste nach! Luise versucht es noch einmal ganz seriös. Es gibt keine Gästeliste! Und der dicke Mensch schlürft stoisch an seinem Bier. Nicht im Dienst! Heißt das. Wie aus dem Nichts kommend, steht der Lars auf einmal neben der Luise. Ganz lautlos hat er sich herangeschlichen. Der Lars. Luise ist erstaunt. Aber auch entzückt. Lars, der Held. Er rettet die Dame. Aus tiefster Not. Rettet der Lars die Luise. Simsalabim! Hahaha! Hihihi! Wieder schüttelt ein verklemmtes Kichern den gesamten, dünnbrüstigen Körper von Lars. Oh! Ist der dämlich! Der Lars! Denkt Luise. Der ist doch kein Umgang für Lars Dietrich! Das denkt sie auch. Die Luise. Und Lars denkt: Wie schön sie ist. Die Luise. Heute. In diesem Moment. Und sagt: Lass sie durch! Eine lässige Bewegung von Lars in Richtung dicker Mensch und ihr wird aufgetan. Sesam öffne Dich! Lars schiebt Luise vor sich her, durch eine bis dahin für Luise unsichtbare Tür hindurch. Oh! Ah! Wie schön! Denkt Luise. Ein alter Tanzsaal. Goldene Lüster. Parkett. Roter Samt. Alles ranzig. Aber ranzig mit Stil. Vorne die Bühne. Lars Dietrich auf der Bühne. Ach, so eine elegante Haltung hat er. Der Lars Dietrich. Wie er da steht. Da oben. Das Saxophon in der Rechten. Mit der Linken zu Luise winkend. Nervös. Ganz und gar nervös. Kein Winken. Eher ein Fuchteln. Und sich dann hinwegdrehend, elegant, und nun wieder ganz konzentriert im Gespräch mit dem Tontechniker. So! Nun bist Du drin! Luise. Hier bist du nun! Raunt Lars, wie ein Dieb, in Luises Ohr. Und nun halte Ruhe! Luise. Nun lehne dich zurück! Luise! Der Abend gehört nicht dir! Der Abend gehört Lars Dietrich! Luise! So raunt er, der Lars. Und Luise sagt: Simsalabim! Und weg bist du! Das sagt die Luise. Zum Lars. Und ihre weiße Hand wedelt Lars davon. Als sei er ein Nebel. Der Lars. Und Lars wird nun bleich. So bleich wie die Luise bereits bleich geworden ist. Und er schaut wie ein Mann in Luises schwarze Pupillen hinein. Der Lars. Und verbeugt sich affektiert! Der Lars. Vor der Luise. Ganz tief. Ganz affektiert. Wie ein Höfling. Wie Sie befehlen, Mylady! Bin schon weg! Und nach einem Augenwimpernschlag schaut die Luise zu ihrem Mann. Auf die Bühne. Da schaut die Luise hin. Und da steht er auch schon. Der Lars. Ganz dicht neben Lars Dietrich. Steht er. Der Lars. Und Luise sieht, wie die beiden die Köpfe zusammenstecken. Als Lars und Lars. Und Luise setzt sich still in die zweite Reihe und blickt auf ihre Fingernägel. Contenance! Luise! Contenance! Das sagt sich die Luise. Und macht Autosuggestion. Das macht sie jetzt. Und harrt der Dinge. Die da kommen werden. Und die sind überschaubar. Sozusagen. Zumindest bezogen auf die Zahl des zahlenden Publikums. Das so nach und nach heranströmt. Herantröpfelt. Genau genommen. Lars höchstpersönlich hat die Rolle übernommen, die Kasse der Eintrittsgelder zu verwalten. Betont unbeteiligt sitzt er auf einem herbeigezogenen Stuhl, seitlich der Tür zum Saal, und begrüßt die schüchtern Entgegenlächelnden, wie die enthusiastisch auf ihn Zustürmenden. Neben dem Stuhl, auf dem er sitzt, steht ein weiterer Stuhl. Und auf diesem weiteren Stuhl befindet sich ein Hut und ein Stempelkissen. Im Hut landen die zehn-Euro-Scheine. Eintritt: 10 Euro! Steht auf dem Plakat, das achtlos an die Tür des Elektro-Nick gepinnt ist. Und mit dem Stempelkissen wird der Eintrittsstempel für insgesamt 25 Frauenhände geschwärzt. Das sind sie nämlich, die Dinge, deren Luise harrt. Fünfundzwanzig Damen unterschiedlichsten Alters, unterschiedlichster Körbchengröße und unterschiedlichster Haarfarbe. Frauen. Ausschließlich Frauen. Und alle scheinen Lars sehr gut zu kennen. Und Jede scheint zu denken, nur sie sei es, die den Lars persönlich sehr gut kennt. Und der Lars zwinkert jeder Einzelnen, sehr versteckt, zu. Und der Zug um den Mund ist auf verschwörerisch gezwirbelt. Und auf Understatement. Lass uns das nicht an die große Glocke hängen! Dass wir uns kennen! Scheint der Zug um den Mund zu signalisieren. Einer jeden  Dame zu signalisieren. Wohlgemerkt. Ohne es an die große Glocke zu hängen. So geschickt, tut er das, der Lars, dass weder die Vorherige, noch die Nachfolgende Eins und Eins zusammen zählen können. Aber Luise zählt Eins und Eins zusammen. Und weiß genau, was die Summe dieser Rechnung ergibt. Nämlich fünfundzwanzig und Lars. Drei oder vier der Damen, winken immerhin auch, mit geröteten Wangen und glänzenden Augen, in die Richtung von Lars Dietrich. Und der Lars Dietrich befindet sich auffallend lange in einer sehr konzentrierten Unterhaltung mit der Tontechnik. Und schaut nicht hin. Nicht zu den Winkenden. Und nicht zur Luise. Luise wird warm. Sehr warm. Sie lodert auf ihrem Stuhl in der zweiten Reihe. Die erste Reihe ist bereits belegt. Hinter ihr ist gähnende Leere. Zu Ihrer Rechten und zur Linken sitzen bereits weitere Damen. Und eine riesige Welle aus Nervosität breitet sich unter dem Publikum aus. Ein irritierendes Zupfen, Reiben und Kratzen beginnt, als wäre ein kollektives Ritual zu vollziehen. Eine Jede der Anwesenden zupft sich das Ohrläppchen rot, reibt sich den Hals oder das Dekollete, zwirbelt an Haarsträhnen, kratzt sich den Fußknöchel heiß oder reibt die Knie aneinander, dass der Luise ganz schummrig wird. Hier sitzen fünfundzwanzig vollständig erotisierte Frauen! Denkt sie. Die Luise. Und will im Erdboden versinken. Fünfundzwanzig Frauen halten mich für Eine von ihnen! Das denkt sie auch. Die Luise.  Und als es dunkel wird im Saal. Und als der Lichtkegel auf der Bühne Lars und Lars im hellsten Licht erstrahlen lässt, da ist es aus. Aus mit der Contenance von Luise. Und aus mit der Fassung auf den Stühlen vor ihr und neben ihr. Da ist ein einziges Stöhnen und ein vielkehliges Kichern und Gackern zu hören, auf das die Tontechnik mit einem schrillen Ton aus dem Mikrofon reagiert. Welcome, Ladys, Welcome, Gentlemen…! Lars Dietrich blickt hier gespielt suchend in die Weite des Saales hinein und ein tosendes Gelächter und Gejubele kennt nun kein Halten mehr. Ja! Lars Dietrich! Das ist der Durchbruch! Denkt die Luise. Der Durchbruch in tiefste Tiefen des schlechten Geschmacks hinein! Und sie will versinken. Die Luise. In den Tiefen des Erdbodens. Versinken für immer! Forever You! Da trällern sie schon den Opener. Der Lars und der Lars. Glücklich vereint. Im Scheinwerferlicht. Begeistert von sich selbst. Trunken vom Ruhm. Besoffen von der Liebe ihrer Fans. Sechs Lieder vor und vier Lieder nach der Pause. Das haben sie geplant. Die Zwei von Lars und Lars. Und vor der Pause noch eine Einlage. Raver-Step. Und nach den vier Liedern, den Liedern nach der Pause, noch die Zugabe. Oder die Zugaben. Je nach Durchbruch oder Nicht-Durchbruch. Und der Luise ist jetzt schon schlecht. Nach dem Opener. Und vor dem ersten Lied. „Susanne“! der Titel. Dann folgt „Lulu“! „Ariane“! „Katinka“! Und: „Küsse auf der Haut“! Mein Lied. Denkt Luise. Sie sucht den Blick ihres Mannes. Er weiß, wo sie sitzt. Seine Frau. Die Luise. Doch Lars Dietrich blickt nach innen. Oder diffus in die Leere der unbesetzten Stuhlreihen. Abwechselnd nach innen und in die Leere hinein. Und Luise fühlt sich beraubt. Beraubt und betrogen. Belogen und besaut. So fühlt sich die Luise. In diesem Moment. Und nun: Ab in die Pauseeeee mit Euch! Ihr Lieben! Und Lars und Lars verschwinden lächelnd, zwinkernd und winkend hinter dem roten, fleckigen Vorhang. Was für ein Abgang! Stöhnt begeistert und sich Luft zu- wedelnd Luises Nachbarin zur Linken. Sooo süß die Beiden! Genial! Grandios! Hochbegabt! Ach ja! Sooo süß! Und Luise zwängt sich, an den, noch immer Applaudierenden, vorbei. Und stürmt auf die Bühne. Und sucht im Vorhang den Durchgang. Und strauchelt nach Backstage. Direkt in die Arme von Lars Dietrich. Und der hält sie warm. Und der drückt sie an sich. Berührt von der Schönheit des Abends. Ach, Luise. Ist das nicht eine Gaudi? Tut das nicht gut? Und er will sie gar nicht mehr los lassen. Die Luise. Und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn. Und Luise macht sich frei. Löst sich aus den verknoteten Armen von Lars Dietrich. Diesen Armen  die sie mit einem Knoten gefangen halten. Das ist Scheiße! Sagt sie. Die Luise. Das ist ganz große Scheiße! Und ihr schämt euch noch nicht einmal! Ihr Vollidioten!  Ihr Total-Autisten! Ihr egomanen Arschlöcher! Woher kennt ihr Euer Publikum? Na? Woher? Und Lars Dietrich steht erschüttert. Zu Stein erschüttert und gelähmt. Und Lars pfeift anerkennend durch zwei Finger. Alle Achtung! Luise! Unsere feine Luise! Unsere ach so seriöse Luise! Donnerwetter! Und dann schiebt er sich neben die Luise und greift sie am Arm. Wie ein Polizist greift er sie am Arm. Und schiebt sich mit der Luise vor den Vorhang auf die Bühne. Weißt Du, Du arme Frau, was du dem Lars Dietrich gerade antust? Weißt du das? Luise? Häh? Der tut das auch für dich! Luise! Der strampelt sich ab! Tag für Tag! Der will dir was bieten! Der will dich – endlich- zufrieden stellen! Der will dir zeigen, was er drauf hat. Der Lars Dietrich. Und was machst du? Du zeterst wie eine Spießbürgergattin! So zeterst du! Schreist Zeter und Mordio! Luise! Und machst Alles kaputt! Luise! Nimmst ihm den ganzen Erfolg! Luise! Und zerstörst ihm den Abend! Das ist sein Abend! Und das ist mein Abend! Und wenn er dir nicht passt, der Abend, dann solltest du gehen! Luise! Ganz schnell abhauen! Luise! Denn viel besser wird der nicht mehr! Der Abend! Auch wenn er großartig ist! Der Abend! Aber dir gefällt er ja nicht! Der Abend! Weil du nicht ertragen kannst, dass der Lars Dietrich noch ein eigenes Leben hat! Neben dem Leben mit dir! Luise! Das kannst du nicht ertragen! Das ist das Problem! Luise! Das ist das Problem! Und endlich schweigt der Lars. Und die Luise schaut ihn mit großen Augen an. Und sagt: Pfui Deibel! Und ein Schauer schüttelt ihren ephebischen Körper. Als sei ein Sturm an ihr dran. Ein Sturm. Und Lars spürt die ungemeine Verachtung von Luise. Eine Verachtung, die er immer schon an ihr wahrgenommen hat. Die spürt er heute so deutlich. Wie er sie sonst nie gespürt hat. Und er nickt mit seinem Kopf. Nickt frech in ihren Blick hinein. Und hört nicht mehr auf. Mit dem Nicken. Ja! Flüstert er. Vier der Frauen sind von Geil.de! Und eine davon, eine rassige Brünette, ist ganz wild auf den Lars Dietrich! Und neun der Frauen sind von Lebenslust.de! Und fünf der Frauen sind aus Parkavenue.de! Eine der Frauen kenne ich von irgendwoher! Und die sechs Anderen haben wir aus SpringendeHerzen.com rausgepickt! Ja! So sieht das aus! Das Marketing! Und Lars nickt und nickt. Nickt frech in den Blick von der Luise hinein. Sei ruhig! Lars! Sei ruhig!
Die gepresste Stimme von Lars Dietrich dringt zu Luise vor und bewahrt sie vor weiteren Schrecken. Luise! Fleht Lars Dietrich. Bleib ruhig! Bleib hier! Bleib bei mir! Ohne dich, kein Abend! Ohne dich, kein weiteres Lied! Und er übernimmt den Arm von der Luise aus dem Griff vom Lars und führt sie wie eine Mondsüchtige ab. Führt sie zu einem einzeln stehenden Stuhl. Direkt am rechten Bühnenrand steht der. Dieser verloren gegangene Stuhl. Und drückt sie auf den Stuhlsitz. Und gibt ihr vor aller Augen einen glühenden Kuss auf den Mund. Bleib! Bitte! Bleib! Und schon ist er zurück auf die Bühne gesprungen. Der Lars Dietrich. Und steht inmitten des erneut  aufflammenden Lichtkegels. Und umklammert das Mikrofon. Und schaut seiner Luise in die Augen. Für die Einzige! Ruft er in fünfundzwanzig entsetzte Gesichter hinein. Für meine Frau! Die Liebe meines Lebens! Und Lars haut in die Tasten. Und Lars Dietrich singt es noch einmal. In einer langsamen Variation. Das Lied. Von der Luise. Küsse auf der Haut! Und fünfundzwanzig Herzen schmelzen dahin. Und fünfundzwanzig Seelen verfluchen die Einzige. Und fünfundzwanzig Augen verbrennen Luises roten Schopf. Und Luise weint. Und Luise ist glücklich. Und Luise ist erschöpft. Glücklich. Weinend. Erschöpft. Und so geht er hin. Der Abend. Der wieder  nicht wirklich der Durchbruch geworden ist. Der Durchbruch zweier Künstler. Der Durchbruch von Lars und Lars. Aber eben doch ein Versuch. Das ist er gewesen. Der Abend.  Immerhin. Ein Marketing-Versuch. Und ein Marketing-Streich. Das auch. Immerhin. Und irgendwie auch eine Gaudi. Durchaus. Und am Ende gibt es keine stehenden Ovationen. Aber eben doch einen respektablen Applaus. Und deshalb zwei Zugaben. Einen Raver-Step. Und ein schmelzendes Liebeslied. Ein Duett. Von Lars und Lars. Titel: Carina! 
Und die Luise?
Die Luise hat sich nichts mehr dabei gedacht. Und das ist vielleicht auch gut so!
Und nach diesem Abend geht der Lars, mit einer rassigen Brünetten, in die Nacht hinaus. Und Luise und Lars Dietrich kommen nur langsam voran. In jeder dunklen Nische bleiben sie stehen. Und drücken sich aneinander. Und pressen die Münder aufeinander. Und umschlingen einander mit Tentakel-Armen. So schön ist es gewesen! Lars Dietrich! So schön! Flüstert Luise in Lars Dietrichs Mund hinein.
Und der sagt: Ja!



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