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Samstag, 20. Februar 2016

Die wunderbare Suche...

...nach den Bären ist beendet. Berlinale 2016.


"Siege werden davongetragen. Niederlagen hingegen müssen eingesteckt werden."
(Ernst Fersil)

Das Recht auf das Glück mag es geben. Zumindest in der Theorie. Und selbst wenn diese grau zu nennen ist, dann schleicht sich das Glück (wie hiermit bewiesen wäre!) als Lichtlein auch ins grauste Grau hinein. Das Recht auf Siege gibt es auch. Denn Sieg ist nicht gleich Sieg. Und Niederlage ist nicht gleich Niederlage. Erschien uns, der Paganini´s-Redaktion, bis dato die Definition von Glück ungleich diffiziler und komplizierter zu sein als die vom Sieg, so wurden wir auf unseren Recherchen vor der Bären-Vergabe eines Besseren belehrt.

Schummrig kann es einem werden, angesichts der weisen, buddhistischen, psychologischen, soziologischen  und philosophischen Abhandlungen über den Sieg, der auf den ersten Blick greifbarer und auf den zweiten Blick scheinbarer zu sein scheint als das Glück.

Das Glück wird gefühlt, der Sieg wird errungen. Im Innen oder im Außen.
Und der im Innen erfochtene Sieg über eine Niederlage verspricht demnach mehr Glück zu sein, als das Erklimmen des Siegertreppchens vor Publikum. Manchmal zumindest.
Sieg und Glück tanzen Hand in Hand oder sind sich spinnefeind. Beides ist möglich.

Angesichts dieser verwirrenden Erkenntnis regredieren wir zurück in die Unwissenheit und halten uns fest an obigem Zitat aus den Weiten des Internets.

"Siege werden davongetragen. Niederlagen hingegen müssen eingesteckt werden."

Herrlich ist sie, die Banalität der Pragmatik. Und irgendwie richtig. 


Alte Potsdamer Straße By Paganini´s
 
Genau so funktioniert es doch bei der Bären-Vergabe der Berlinale:
Entweder gibt es einen Bären, einen Großen oder Kleinen, oder es gibt keinen Bären.
Dazwischen gibt es nichts. Nicht in dieser einen Stunde an diesem letzten Abend.

Und was dann im Innen der Geehrten und der Ignorierten geschieht, das ist ein anderes Thema.
Die Transzendenz des Sichtbaren, wir lassen sie links liegen.

Zwischen der Eröffnungs-Gala und der feierlichen Preis-Vergabe allerdings gibt es sie zuhauf.
Die mehr oder weniger heimlichen Gewinner und Verlierer rund ums Festival.

"Alone in Berlin" bleibt weitestgehend wirklich "allein in Berlin", jubelnde Kritiken gibt es da wenig.

Flüchtlinge kochen gar Köstliches gemeinsam mit einem italienischen Sterne-Koch in einem der possierlich aussehenden Food-Waggons und gewinnen Freunde, Selbstbewusstsein und Zukunfts-Perspektive.

Ein gezeichneter Kurzfilm über Burg Hoheneck, das zentrale Frauengefängnis  in der DDR, sorgt für Furore ("KAPUTT").

Episches Kino in SchwarzWeiß lässt Besucher eine achtstündige Trance erleben ("Lullaby to the Sorrowful Mystery").

Und Plakativ-Politisch-Korrekte erhalten korrigierende Kritik nicht allein durch Dieter Kosslick, der kaum aufhören will, sich für eine Charity-Aktion "fremd zu schämen", die am Rande der Berlinale vom "Cinema for Peace" organisiert worden ist.
"Je suis Charlie" und "Refugees Welcome" als Parolen allgemeiner Solidarität, wurden in jener verhängnisvollen Nacht symbolisch zu einem "Ick bin ein  Refugee" zusammengemodelt. Herausgekommen ist der Anblick gebotoxter und gelifteter Gesichter, deren dazugehörige Luxuskörper in golden schimmernde Refugees-Wärmedecken gehüllt sind.
Die Milliönchen sind bereits im Trockenen, darauf noch nen Schampus! Au WeiWei!

Wunderbar, präsent, bezaubernd in der vielleicht schönsten Pressekonferenz der Berlinale:
Gerard Depardieu. Glaubwürdig ist sein schmeichelndes Statement zur Berlinale, deren Mut zur Vielfalt er in Cannes vermisst. In zwei Filmen beweist er seine Liebe zu "Geschichten im Kino".
"The End" lief im Forum und "Saint Amour" im Wettbewerb. Leider außer Konkurrenz.
Die Film-Crew bekennt, dass sie ihn gerne bekommen hätte. Den Bären für den besten Film.

Nein, Depardieu kann ihn heute nicht davontragen. Den goldenen Bären.
Aber einstecken muss er auch nichts.
 
 
Sony Center By Paganini´s
 
Dafür sind andere zuständig. Denn nun ist sie da. Die Stunde der Wahrheit. 
Aufgereiht stehen die Pokale und warten stoisch auf die Hand, die sie mit sich nehmen wird.
Den Bären, aus Pappe geschnitten, durften zuvor bereits Stars und Sternchen zum Posing vor der 
Kamera an sich drücken, knutschen und streicheln.

Ein kluger Schachzug, um schon im Vorfeld eventueller Enttäuschung entgegen zu wirken. 
Ein Recht also zum Davontragen (und sei es nur die Strecke eines Meters Roter Teppich) 
für nahezu Alle! 
Das Recht auf Glück, Kosslick zieht´s gnadenlos durch.

Nein, es sind in dieser Stunde keine langen Gesichter zu sehen.. Die Jury hat insgesamt weise entschieden.
Und sie hat einer Berlinale der Vielheit und cineastischen Unbedingtheit Rechnung getragen.
Der goldene Bär ziert nun in Zukunft das Plakat eines Dokumentarfilms. 
So etwas ist nur auf diesem Festival möglich. 

Lav Diaz bekommt den Alfred-Bauer-Preis für ein 8stündiges Epos. Auch das gibt es nur hier.

Der französische Film, mit seinen starken Frauenfiguren, wird traditionell in Berlin geehrt und 
Trine Dyrholm ist bereits im Vorfeld zur Preis-Verleihung hoch gehandelt worden. Julia Jentsch könnte ein bisschen enttäuscht sein, auch Jude Law oder Colin Firth hätten sich ein silbernes Bärchen wünschen können.

Aber, wie sagt doch ein kluges Wort? 
Niederlagen müssen eingesteckt werden und die letztgenannten Herren bekommen sowieso irgendwann den Oscar!

Gibt es überhaupt eine eindeutige Definition für Niederlage? Wir recherchieren besser nicht.
Genug von der Berlinale 2016. Und genug von Definitionen, Und genug von Spekulationen.
Die Bären sind vergeben. Alles ist gut.

Nein, ein Berlinale-Zitat muss noch sein:

 "Es gibt hier Engel in Berlin, nicht nur auf der Siegessäule"! 
(Chiang Wei Liang)

Wir lassen das einfach mal so stehen.



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