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Freitag, 4. März 2016

Der wunderbare Buchanfang XVI. Teil:

"Ein Buch, das nicht mit einem Paukenschlag anfängt, lese ich nicht!"
(Zitat von Paganini, dem Kater)

Die Paganini´s-Redaktion will sich dieser Polemik nicht zu Hundert Prozent anschließen.
Und doch bleibt es unbestreitbar: Die Verführungskraft der ersten Zeilen eines Buches entscheidet
sehr wohl darüber, ob wir es tatsächlich zu Ende lesen, oder frühzeitig zur Seite legen.

Deshalb in loser Folge bei Paganini´s:
"Der wunderbare Buchanfang!"


Hier und Heute, da mit wundersamen Blick auf Sprache geschrieben:

Gottfried Benn

Provoziertes Leben



GEHIRNE

"Wer glaubt, daß man mit Worten lügen könne, 
könnte meinen, daß es hier geschähe."

Rönne, ein junger Arzt, der früher viel seziert hatte, fuhr durch Süddeutschland dem Norden zu. Er hatte die letzten Monate tatenlos verbracht: er war 2 Jahre lang an einem pathologischen Institut angestellt gewesen, das bedeutet, es waren ungefähr 2000 Leichen ohne Besinnen durch seine Hände gegangen, und das hatte ihn in einer merkwürdigen und ungeklärten Weise erschöpft.
Jetzt saß er auf einem Eckplatz und sah in die Fahrt:
es geht also durch Weinland, besprach er sich, ziemlich flaches, vorbei an Scharlachfeldern, die rauchen von Mohn. Es ist nicht allzu heiß; ein Blau flutet durch den Himmel, feucht und aufgeweht von Ufern; an Rosen ist jedes Haus gelehnt und manches ganz versunken.
Ich will mir ein Buch kaufen und einen Stift; ich will mir jetzt möglich vieles aufschreiben, damit nicht alles so herunterfließt. So viele Jahre lebte ich, und alles ist versunken. 
Als ich anfing, blieb es bei mir?
Ich weiß es nicht mehr.







Wir, die Paganini´s-Redaktion, besitzen eine zerfledderte Ausgabe dieses Buchs 
vom Ullstein-Verlag.
Unseren Recherchen nach, kann der Band nur noch gebraucht ergattert werden.





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